Editorial: Treten Sie Ihrem Dorfbürgermeister für eine digitale Zukunft auf die Füße

Nach einem Unternehmenstermin fragte ich einst die Empfangssekretärin, wie ich am schnellsten zum Hotel zurückkäme. Daraufhin drehte die freundliche Dame ihren Monitor zu mir, öffnete mit zwei Mausklicks eine digitale Stadtkarte und wies mir den Weg. Bass erstaunt stellte ich fest, wie bequem ein permanenter Online-Anschluss ist. Das war 1999 in Sydney/Australien.

Seit fünf Jahren bin auch ich permanent online, springe zwischen einzelnen Software-Paketen und dem Internet hin und her und verschone mein rechtes Ohr vor einer Dauerbeschallung durchs Telefon dank Email-Verkehr – vorausgesetzt ich sitze in meinem Trierer Büro.  Zu Hause in der Eifel überlegen mein Mann und ich derweil, ob wir nicht doch noch eine Brieftaubenzucht beginnen, denn es wird gemunkelt, dass künftig auch die Postboten aus Kostengründen nicht mehr täglich die einzelnen Häuser auf dem Land anfahren werden. Von der digitalen Kommunikation sind die meisten ländlichen Gebiete in weiten Teilen ja eh schon ausgeschlossen, denn die langsamen Übertragungsraten fördern eher einen Nervenzusammenbruch als die Informationsübermittlung.  
 

Dies soll sich nun ändern und zwar bis spätestens 2016. Der Bund versteigert neue Funkfrequenzen an vier Netzbetreiber (T-Mobile, Vodafone, O2 und E-Plus) mit der Verpflichtung, die dafür notwendige Sendestruktur zunächst auf dem Land aufzubauen. Statt über Breitbandkabel, die kostenintensiv im Boden verlegt werden müssen, sollen ländliche Betriebe und Haushalte per Funk ans weltweite Datennetz angeschlossen werden. Die Funkfrequenzen sollen nicht nur den Zugang vom Computer ins Internet verschnellern, sondern auch das Internetsurfen von mobilen Endgeräten wie Smartphones oder Laptop ermöglichen. Dem Nutzer ist es überlassen, ob er als Einspeisemedium dann eine Hausantenne oder sein Handy dafür wählt.


Mein Tipp
: Informieren Sie sich beim Ortsbürgermeister, ob und welche Technik für die Gemeinde geplant ist. Bis Ende des Jahres bezuschusst Rheinland-Pfalz mit sechs Millionen Euro ländliche Gemeinden für die Verlegung von Breitband-Kabeln. Mit deren Hilfe lässt sich das schnelle DSL via Festnetz zuschalten. Viele Gemeinden schlafen aber noch und haben noch keinen Antrag gestellt. Machen Sie andere Unternehmen und Dorfbewohner mobil und treten Sie dem Gemeinderat auf die Füße. Denn ohne eine effiziente Internetverbindung fallen nicht nur die Immobilienwerte weiter in den Keller, sondern auch alle weiteren Entwicklungschancen für die ländliche Wirtschaft


Weitere Hintergrundinformationen über Internettechnik und -nutzung

Im Durchschnitt verbringt derzeit jeder Deutsche über 14 Jahren 100 Minuten täglich im Internet. Dies entspricht einem Zuwachs um 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 2009 waren es erst 88 Minuten. Unter 30-Jährige surfen täglich sogar fast 200 Minuten. Das hat eine aktuelle Erhebung des BITKOM ergeben. Diejenigen, die das Internet überhaupt nicht nutzen, sind in diesen Mittelwerten bereits berücksichtigt.


In Deutschland besitzen rund 64 Prozent aller Haushalte einen schnellen Internetzugang per Festnetz. Bis Ende 2010 sollen es 68 Prozent werden. Ende 2009 entfielen 22,4 Millionen Breitband-Anschlüsse auf DSL, gut 2,3 Millionen auf TV-Kabel und 0,3 Millionen auf andere Technologien wie Glasfaser oder Satellit.  Anfang 2009 waren gut 93 Prozent aller Haushalte mit Übertragungsraten von mehr als einem Megabit erreichbar. Das sollen bis Ende dieses Jahres 100 Prozent werden.


Für Unternehmen ist das heute eine notwendige Voraussetzung, aber viele Bürger wollen das Internet gar nicht nutzen. Nur für 26 Prozent der Bevölkerung sei es fester Bestandteil des täglichen Lebens, hat kürzlich die Studie "Digitale Gesellschaft in Deutschland" ergeben. Danach zählen 35 Prozent der Bevölkerung zu den digitalen Außenseitern, die Computer und Internet kaum nutzen. Das ist auch eine Frage des Alters, denn im Durchschnitt sind digitale Außenseiter älter als 62 Jahre. (Quelle: main-spitze.de, 13.04.2010 und stuttgarter-zeitung.de, 12.04.2010)

Nützliche Links
>  Zum Download der Internetstudie
>  Zur Bundesnetzagentur
>  Zum Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V (Bitkom)



 

 

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