Nachgefragt: Wie kriege ich mehr Laufkundschaft in meinen Hofladen?

©Landlobby
Immer mehr Supermärkte erweitern ihr Sortiment an Regional- und
Bioprodukten und bringen selbst gut eingeführte Hofläden zunehmend
unter Druck. Was kann man dagegen tun und wie kriegt man wieder mehr
Laufkundschaft in seinen Betrieb? Wir haben bei Bioland nachgefragt.


Während eines Hofladenseminars von Bioland e.V. auf dem Demonstrationsbetrieb Morgentau in Kleinniedesheim fanden wir Antworten und konkrete Handlungsempfehlungen. Dabei besonders wichtig: Konsumenten, die regelmäßig am Hofladen vorbeigehen oder –fahren, die psychologischen Eintrittsbarrieren nehmen und das „Finden“ des Hofladens so leicht wie möglich machen. Referent Stefan Rettner von der Bioland-Beratung empfiehlt darüber hinaus folgende Vorgehensweise:

 

  • auf der eigenen Website eine Anfahrtsbeschreibung mit Skizze integrieren

  • in Anzeigen und Werbemitteln der eigenen Adresse eine Standortbeschreibung hinzufügen (z.B. „In der Nähe/Gegenüber von …)

  • an allen Zufahrtswegen gut erkennbare Hinweisschilder anbringen (ggf. Straßenmeisterei um Erlaubnis fragen)

  • auf der Außenwand auf Einkaufsmöglichkeit und Website hinweisen (im Gegensatz zu Schildern bedürfen aufgemalte Hinweise meist keiner behördlichen Genehmigung)

  • eine Fahne vom Kooperationsverband (z.B. Bioland) oder noch besser mit eigenem Logo aufstellen (der Wind sorgt für einen dynamischen Augenfang)

  • mittels eines Schaukasten Offenheit und Betriebsphilosophie demonstrieren (Vitrine regelmäßig mit Bildern und Infos aktualisieren!)

  • eine freie und freundliche Zufahrt ermöglichen (Türen weit öffnen und beinspielsweise ein Familienbild mit „Herzlich willkommen“ anbringen)

  • für Sauberkeit und Ordnung sorgen (Alte Marketingerkenntnis: „Es gibt keine 2. Chance, einen 1. Eindruck zu vermitteln“)

  • ausreichend Parkraum in unmittelbarer Nähe zum Hofladen anbieten (Alternative: dem Kunden wird die bezahlte Ware in einer Haltezone zum Auto gebracht)

  • den Weg zum Hofladen so einfach wie möglich gestalten (auch im Hof Hinweisschilder zum Ladengeschäft aufhängen, Fußweg sollte matsch- und barrierefrei sein)

  • Eingangstüren mit großen, einladenden Glasfronten wählen und damit das Entree deutlich von übrigen Betriebsbereich abheben

  • unfreundliche Hoftiere (Hunde, Katzen) während der Öffnungszeiten entfernen (ein eingegatterter Streichelzoo kann dagegen ein echter Familienmagnet sein)

  • mit flexiblen Öffnungszeiten in den Abend hinein auch Berufstätigen den Einkauf ermöglichen (Möglichkeit der Warenreservierung per Email oder Telefon anbieten)

  • insbesondere neue Kunden mit Blickkontakt begrüßen und anbieten, das Warensortiment zu erklären

    
Ein regelmäßig aktualisierter Schaukasten nimmt der Laufkundschaft die Hemmungen, in die Privatsphäre eines landwirtschaftlichen Betriebes vorzudringen. Der Zugang zum Hofladen sollte daher barrierefrei und offen sein, wie hier auf dem Biolandhof Blaul in Kleinniedesheim. Gut wären noch Türen aus Glas anstelle von Holz, die als Schaufenster dienen und den Einkaufsbereich klar vom übrigen Betriebsgelände hervorheben. 


Eigene Website lockt auch Laufkundschaft
 

Sie werden sich fragen, warum eine Website auch für Laufkundschaft wichtig ist. Tatsächlich ermöglicht eine eigene Internetseite dem noch skeptischen Verbraucher, anonym „hinter die Kulissen zu schauen“, sich über Produktangebot, Betriebsphilosophie und Preisniveau zu informieren und dadurch Vertrauen aufzubauen. Bedenken Sie, dass viele Menschen noch nie auf einem Bauernhof waren und angesichts der ungewohnten Atmosphäre zum Teil große Hemmschwellen überwinden müssen. Studien haben ergeben, dass mittlerweile die meisten Konsumenten bei neuen Kaufentscheidungen sich vorher im Internet informieren.

Tipp für Perfektionisten

Um die oben genannten Empfehlungen optimal umzusetzen, können Sie noch folgendes tun:
 

  • Lassen Sie Freunde und Bekannte Testfahrten durchführen und die neuen Hinweisschilder an Ort und Stelle benennen, um festzustellen, ob diese wirklich sichtbar angebracht wurden.

  • Fotografieren Sie Ihren Betrieb von außen, den Innenhof und das Ladengeschäft. Legen Sie dabei eine Rundumsicht an und übertragen Sie diese auf ihren Computer. Gehen Sie dann mit der Familie und Mitarbeitern Bild für Bild durch und notieren Sie, was Sie noch verbessern können (Sauberkeit, Ordnung, Barrierefreiheit etc.). Bitten Sie auch Freunde oder einen Betriebsberater um ihre ehrliche Meinung. 

     
 

 

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Axel Pauly, Winzer

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